Sperrbezirk für die Szene?

Frühjahr 2014: Die Szene blüht auf. Immer mehr Auto-Freunde treffen sich spontan mit ihren Fahrzeugen zum zwanglosen Beisammensein. Über die sozialen Netzwerke wird sich verabredet. Die Städte beobachten die Entwicklungen skeptisch, haben doch zumindest die dienstälteren Beamten noch die Bilder illegaler Ampelrennen vor dem inneren Auge. „Wahrscheinlich haben sie selber damals daran teilgenommen“, scherzt Kurt Schloss, aktives Street-Scene-Mitglied. „Dabei geht es uns gar nicht ums Rasen, sondern um die Gemeinschaft.“ Doch das ist schwer zu vermitteln. Leider kommen zu den Treffpunkten immer wieder schwarze Schafe, die unangenehm auffallen.

„Wir müssen da eingreifen“, findet Willi Spiesa vom Ordnungsamt einer westfälischen Gemeinde. Aus seiner Stadt will man getunte Fahrzeuge verbannen: „Mit Sperrbezirken kennen wir uns aus“, so der eifrige Beamte. Man wolle ein Versammlungsverbot aussprechen, sobald mehr als drei Autos mit Veränderungen an Karosserie, Fahrwerk und Motor gemeinsam auftreten. Denkbar seien auch komplette Einfahrverbote: "Was zum Beispiel für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen oder ohne Umweltplakette gilt, lässt sich auch für getunte Autos umsetzen", heißt es.

Verschärfte Kontrollen im Umfeld sollen den Fahrern zudem die Lust an derartigen Treffen vermiesen. Angeblich hat man längst „Maulwürfe“ in die Gruppen und Communities geschleust, die das Ordnungsamt und die Polizei über die Treffpunkte informieren. Schwierig sei es nur, pünktlich zum 01. April mit den örtlichen Partnern – Autohäusern und Zubehörhändlern - entsprechende Dienstautos aufzubauen, um vor Ort nicht aufzufallen.

In der Nachbarstadt setzt man lieber auf Kooperation: „Wir suchen den Kontakt zu den Tuningfreunden“, erklärt Adam Benzford: „Als eine der (ehemaligen) Hochburgen des deutschen Automobilbaus sehen wir dem drohenden Abzug der Produktion mit Sorge entgegen.“ Und da man dem Automobil weiterhin verbunden sei und darüber hinaus künftig große Freiflächen zur Verfügung habe, will man diese als Szene-Treffpunkt nutzen: „Vielleicht sogar mit einem Infomobil der Polizei oder der Prüforganisationen vor Ort.“ So lasse sich auch die Frage nach einer Location steuern. Man suche derzeit intensiv das Gespräch mit allen Beteiligten.

Die Szene sieht beide Tendenzen mit Skepsis: Sportwagen-Fan Per U. Buxen möchte sich weder vertreiben noch auf einen bestimmten Treffpunkt festlegen lassen. „Gerade das Spontane macht doch den Reiz aus. Man cruist durch die Stadt, andere Leute aus der Szene schließen sich an“, findet er, „Irgendwann sucht man sich dann eine coole Location, wo man Fotos mit seinem Auto macht und Benzin redet.“

Von: Jan Steve

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