Wie in alten Zeiten...

Die ersten Kilometer am Steuer eines Autos prägen, sagt man. Manch Fahranfänger beschließt (bewußt oder unbewußt), dass er künftig einfach nur einigermaßen unfallfrei von A nach B kommen möchte. Andere wiederum sind mit Spaß dabei, freuen sich auf jeden Kilometer, den sie künftig völlig legal unter die Räder nehmen können. Und genau um diesen Spaß am Fahren, verbunden mit einer gehörigen Portion Nostalgie, geht es bei der Creme21 Youngtimer-Rallye.

Als Old- oder Youngtimer-Freund sitzt man heute (im Idealfall) in genau dem Fahrzeug, das man mit seiner Jugend verbindet. Das Auto, das Papa, Opa oder auch einem selber gehörte. Oder man hat sich mittlerweile seinen Traumwagen von damals zulegen können. Und so finden sich am 17. September beim Start am Bremer Schuppen Eins völlig unterschiedliche Fahrzeuge der 70er und 80er Jahre ein, die in den folgenden vier Tagen gemeinsam auf die Reise gehen werden. Hier trifft der Unternehmer auf den Schrauber - was zählt, ist nicht der Geldbeutel, sondern einzig und allein der Spaß an der Creme21.

Um die Geschwindigkeit geht es bei der Creme21 nicht. Jedenfalls nicht offiziell. Ausschlaggebend für die Platzierung sind vielmehr die zahllosen Sonderprüfungen, die die Teilnehmer auf den insgesamt über 1000 Kilometern erwarten. Schlagworte wie das "Kofferspiel" oder das "Pümpel werfen" klingen Kennern in den Ohren. Und so lässt das erste Kofferspiel bei der diesjährigen Ausgabe auch nicht lange auf sich warten: 21 Sekunden hat die Fahrzeugbesatzung Zeit, sich den Inhalt des ins Auto gereichten Koffers anzusehen.

Irgendwann später wird eine Frage dazu gestellt. Was also ist wichtig? Was könnte gefragt werden? Was ist zu einfach? Am Ende braucht man einfach nur etwas Glück. "Wann waren in diesem Jahr die Le Mans Classic?" galt es in diesem Jahr zu wissen, oder "Wie viele Räder waren in den Lego-Päckchen?" oder "Wie viel kostet der gesamte Kofferinhalt im Kaufland?" Es geht um den Spaß an der Sache. Wer andere Klassik-Rallyes kennt, wird hier schnell irritiert das Weite suchen, die Stoppuhr kann - bis auf eine Ausnahme - zu Hause bleiben.

Am kilometerstarken "freaky friday" wird es Zeit für das Pümpel-Spiel: Ein lässiger Wurf aus dem Handgelenk und - PLOPP, saugt sich die Saugglocke auf dem Brett fest. Oder eben nicht. Die Kulisse - das Ferropolis mit seinen riesigen Tagebau-Baggern - entschädigt ebenso wie das wohlverdiente Mittagessen. Frisch gestärkt geht es dann weiter nach Oschersleben. In der Boxengasse gilt es bei der Sonax-Sonderprüfung, einen abgesteckten Kurs in exakt 21 Sekunden zu absolvieren. Der bereits stark beanspruchte Gasfuß sollte sich also zurücknehmen. Dafür ging es im Anschluß auf die Rennstrecke: Freies Fahren für Jedermann!

Die Vielfalt der Sonderprüfungen zeichnet die Creme21 aus: Da müssen anhand der frühen Slogans die beworbenen Produkte erkannt - Beispiel "Ohne Ö fehlt Dir was!" - oder Märchen anhand einer Kurzbeschreibung - Beispiel "Animalische Band organisiert ein Nachtlager" - benannt werden. Die Creme21 ist eben was für Junggebliebene. Neben den Spielen hat natürlich die Strecke selber ihren Reiz: Von Bremen ging es in diesem Jahr über Oldenburg bis nach Braunlage, über Wittenberg nach Oschersleben und weiter nach Bielefeld.

Das Orga-Team achtet dabei darauf, dass Technik-Interessierte immer wieder auf ihre Kosten kommen - ob im Hubschrauber-Museum in Bückeburg, im Ostdeutschen Fahrzeugmuseum in Benneckenstein oder eben im Ferropolis. Architektur-Freunde werden ihre helle Freude am Fagus-Werk, einem Parade-Beispiel des markanten Bauhaus-Stils, gehabt haben.

Manchmal hätte man sich etwas mehr Zeit für´s "Sightseeing" gewünscht - aber darum geht es hier nicht. Die Creme21 ist zum Fahren da - und zum Feiern: Nach den allabendlichen Tages-Siegerehrungen gab es am Samstagabend die große Gala im Lenkwerk Bielefeld. Und weil die Creme21 anders ist als andere Rallyes, gibt es am Ende keine Pokale, sondern typisch orangefarbene Alltags-Gegenstände aus den 70er Jahren.

Von: T. Pfahl

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